• Die Medien machen nun Werbung für bestimmte E-Zigaretten

    Heute lese ich in der Zeitung – ach, was sag ich – in diversen Zeitungen die folgende packende Schlagzeile:

    Philip Morris kündigt Ende der Zigarette an

    Wow, denke ich so bei mir, was geht denn da ab?

    Schnell stelle ich fest, dass es sich bei dieser wirklich wichtigen Information ganz schlicht und einfach um eine Werbemeldung von Philip Morris handelt, die unter dem Mäntelchen «Interview des CEO» via Reuters daherkommt und mangels irgendwelcher wichtiger Nachrichten einfach mal von zahlreichen Medienblättern übernommen wird.

    Und gleich geht mir wieder der Hut hoch!

    Da wird geschrieben, dass Philip Morris herausgefunden hat, dass es weniger schädlich ist zu Dampfen als zu rauchen. Aha – was für eine neue Erkenntnis!

    Und weil das so ist, hat der besorgte Konzern die IQOS auf den Markt gebracht, eine E-Zigarette, die dem Laster des richtigen Rauchens Abhilfe schaffen soll. Selbstverständlich macht diese Firma das nur, weil ihr so das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegt und drum ist sie ganz bestimmt auch froh, dass der liebe Schweizer Staat tüchtig mithilft, nur dieses E-Zigaretten-Produkt zuzulassen.

    Wie ich das meine?

    Ganz einfach. Das neue Tabakgesetz, das sich seit Ewigkeiten in der Vernehmlassung befindet, wird immer wieder zurückgestellt, weil da jemand nicht zufrieden damit ist. Ich behaupte jetzt einfach mal frech, dass dieser «Jemand» durch indirektes Sponsoring von der Tabakindustrie auf den Plan gerufen wird, weil die wenig Freude an den zahlreichen neuen Werbeverboten hätte. Also geht der Gesetzesentwurf zurück und weil es sich bei diesem Thema ja nicht um ein wirklich Wichtiges handelt, passiert dann einfach mal wieder lange nichts.

    In der Zwischenzeit reibt sich Philip Morris bestimmt die Hände, den die Bewerben nun die IQOS aus vollem Rohr, senden Beeinflusser aus die für das neue Gerät werben und bemustern, informieren an zahlreichen Kiosken persönlich. Und das tolle daran ist, dass die Raucher natürlich auch interessiert sind an der etwas besseren Lösung und hier auch keine Bedenken haben müssen, dass sie ihr nötiges Nikotin nicht mehr bekommen. Denn, hurrah!, hier dampft man Tabak mit Nikotin und schon hat man genau das, was man auch braucht.

    Weniger witzig ist das nun aber für den Fachhandel der E-Zigaretten. Der bietet nämlich tolle Geräte in allen Varianten an, die aber allesamt einen Nachteil haben: sie werden mit Liquids befüllt, das kein Nikotin enthalten darf.

    Denn dem lieben BAG sind wir Bürger fast so wichtig wie Philip Morris und drum räumt diese Stelle zwar ein, dass nikotinhaltiges Liquid zu dampfen wohl besser wäre als eine Zigarette, aber der Import dieser Liquids kommerziell nicht erlaubt ist. Das Ganze zum Schutze der Jugend, die eben nicht zum Dampfen verführt werden soll.

    Ich bin ja blond…

    … aber die beim BAG wohl auch! Denn, wen wundert’s, Nichtraucher zeigen sich durchaus auch interessiert an E-Zigaretten als Lifestylegerät. Und für diese ist es kein Problem, nikotinfreie Liquids zu verwenden. Da bleibt es dann einfach noch dem Fachhandel überlassen, ob er sogar an Minderjährige verkauft, denn das wäre tatsächlich rechtlich zugelassen (immerhin: die meisten Händler tun das freiwillig nicht). Die Raucher aber, die weg von der Pyro wollen und bei denen das BAG diese Idee auch gar nicht so schlecht fände, die bekommen in den Geschäften hier keine Nikotinliquids, obwohl genau dieser Stoff für sie noch wichtig wäre.

    Wer nun meint, es sei super dass uns das BAG so schützt, irrt aber gewaltig. Denn genau die gleiche Behörde lässt schon zu, dass man auch hierzulande mit Nikotin dampfen kann – nur kaufen, kaufen muss man das Zeug im Ausland, damit die Wirtschaft in Deutschland, Frankreich, Italien, USA auch was davon hat. Denn die Einfuhr von 150 ml für den Eigenbedarf ist völlig legal und zulässig.

    Ich fasse also zusammen

    Raucher sollen schon dampfen, aber ohne Nikotin.
    Nichtraucher können in jedem Alter bereits mit Dampfen anfangen.
    Wer mit Nikotin dampfen will, muss das nötige Liquid im Ausland einkaufen.

    Wenn ein Grosskonzern mit ausreichend Macht ins Spiel kommt, ist es aber auch absolut in Ordnung, eine E-Zigarette mit Tabak und dem darin enthaltenen Nikotin zu Dampfen.

    Eigentlich ganz simpel, oder? Aber ob das wirklich fair ist…?

     

    Und die IQOS?

    Die setzt sich vielenorts durch, denn sie ist ein schickes Gerät, das den Nutzen auch für Raucher prima erfüllt. Dank der massiven Bewerbung des neuen Produktes sieht man sie immer mehr und das finde ich sogar toll, Hauptsache, Dampfen statt Rauchen!

    Als Fachhändler für E-Zigaretten bin ich noch nicht einmal wirklich besorgt über die Tatsache, dass es da Konkurrenz auf dem Markt gibt. Denn diese stört unseren Verkauf nicht wirklich, zu unterschiedlich die Geräte. Abgesehen davon hat die IQOS schon auch noch die eine oder andere Macke – hier verweise ich auf einen Testbericht aus dem Dampfermagazin 9/16 (siehe unten).

    Was mich aber wirklich sauer macht, ist das Messen mit verschieden langen Ellen, das unser Staat an den Tag. Ich mag einfach keine Ungerechtigkeit und hier liegt ein massiver Fall davon vor, der dank einem Nischenmarkt einfach noch zu wenig Beachtung findet.

    Dennoch gebe ich nicht auf und schreibe regelmässig an den Bund – man könnte schon fast von einer dicken Brieffreundschaft sprechen, wenn nicht die Antworten – wenn überhaupt – nur so knapp und nichtssagend ausfallen würden. Wir bleiben aber dran und freuen uns über alle, die das ebenso tun!

     

    Dieser Artikel widerspiegelt die persönliche Meinung von Anna Schreiber.

     

     

     

    Und hier der im Artikel genannte Testbericht:

     

    Dampfermagazin: Mit der IQOS in den Sonnenuntergang

    IQOS Test in Ausgabe 09/16

     

    Hurra, die IQOS ist endlich in Deutschland angekommen. Man hat das Gefühl, Philip Morris hat sich wirklich Gedanken gemacht, um das Rauchen in die nächste Generation zu bringen. 

    Philip Morris hat bereits im Jahr 2014 die IQOS in Japan präsentiert. Von dort aus wanderte sie dann nach Mailand und kam im August 2015 in Zürich auf dem Bahnhof an.

    Die so gesammelten Erfahrungen packte man jetzt für die Markteinführung in Deutschland zusammen und hat das Präsentationsprinzip mit einem gigantischen Werbebudget auf ein bisher noch nicht da gewesenes Level gehoben.

    Nach den beiden Shops in Berlin und München öffnete am 03.08.2016 ein eigener Shop in bester Partylage in der Frankfurter Innenstadt die Tore. Fast ein halbes Dutzend nette Mitarbeiter bemühen sich seither um jeden Interessierten, der sich in das stylische Ambiente begibt. 

    Bevor ich nun näher an das Produkt herangehe, möchte ich eines vorausschicken. Die IQOS ist das erste und einzige Produkt am Markt, welches den Namen e-Zigarette zu recht und voller Stolz tragen darf. Ich habe noch nie den kausalen Zusammenhang meiner Dampfgeräte mit einer Zigarette verstanden, weshalb ich den Namen e-Zigarette auch noch nie wirklich locker und leicht über die Lippen gebracht habe, wenn ich von Dampfgeräten gesprochen oder geschrieben habe. 

    Gut der Name e-Zigarette hat sich mittlerweile für die schnelle Beschreibung eines Dampfgerätes fest eingebürgert. Aber nochmal, die IQOS ist das erste elektronische Erhitzungsgerät, was gleichzeitig in Form, Bestand, Inhalt und dem, was am Ende übrigbleibt (Kippe für den Aschenbecher) eine Zigarette ist. Da gibt es auch nichts dran zu beschönigen. 

    Eine echte Alternative?

    Ganz klar, kein einziger Dampfer, also kein einziger flüssig Liquidverbraucher (egal ob mit oder ohne Nikotin) ist aufgefordert, eine IQOS als Alternative zu einem elektronischen Dampfgerät anzusehen. Keiner, der mit Hilfe moderner elektronischer Dampfgeräte zum Nichtraucher geworden ist, gehört zur Zielgruppe von Philip Morris. Das hat letztlich zu Folge, dass man aus Sicht eines Dampfers die IQOS weder verstehen, noch real erfahren kann. Denn wir Dampfer sind Nichtraucher – Punkt.

    Um das Produkt objektiv und aus der Sicht der Zielgruppe beurteilen zu können habe ich mich knapp einen Monat lang zurück auf den Pfad der Tabakzigarettenkonsumenten begeben. Denn ein aromatisches Liquid mit vollmundigem Erdbeergeschmack (welches mir half, von der Tabakzigarette los zu kommen) kann man einfach nicht mit dem groben Geruch und dem derben Geschmack einer Tabakzigarette vergleichen.

    Die IQOS wird aktuell für 65,00 Euro in den Trendfarben Weiß und Nachtblau vertrieben. Wer sich beim IQOS-Members-Club registriert, bekommt eine „Stange“ = 10 x 20 Heets (sogenannte Tabak-Sticks) im Wert von 60,00 Euro geschenkt.

    Verglichen mit den Preisen einer Stange Zigaretten, ein für Raucher durchaus lohnendes Angebot, um sich mit der IQOS einmal auseinander setzen zu können.  

    Philip Morris spricht bei der IQOS von einem System. Denn um einen „Heets“ (Tabak-Stick) inhalieren zu können bedarf es einer ganzen Reihe von einzelnen Komponenten. Diese lassen das Konsumieren des Tabaks zu einem bewussten und damit auch zu einem überlegten Handlungsablauf werden. 

    Das System besteht aus insgesamt sieben Komponenten. Dem Transportladegerät (Pocket-Charger genannt), einem USB-Ladekabel mit Netzadapter, dem Heat-Controller (auch Holder genannt) mit dem die Heets erhitzt und das Tabakkonzentrat verdampft wird, dem Reinigungs-Ei (IQOS-Cleaner genannt), mit dem Tabakrückstände in der Erhitzungskammer des Heat-Controllers mittels Bürsten mechanisch entfernt werden können, den in Alkohol getränkten Reinigungsstäbchen und den Heets, die aus einem Filter aus patentiertem Polymermaterial, einem Hohlkanal für die Luft-Tabakrauch-Aufbereitung und einem Tabakkonzentratbehälter, bestehen.

    Zunächst spendiert man dem Transportladegerät mittels des beiliegenden USB-Kabels mit Netzadapter so viel Strom, wie entsprechend nötig ist, um den darin fest verbauten Akku aufzuladen. Der darin mitgeführte Strom reicht in der Regel aus, um ein ganzes Päckchen Heets verbrauchen zu können, was also rund 20 Ladezyklen des Holders entspricht. Hat man einen höheren Bedarf, muss man den Pocket-Charger ausschließlich mit dem beiliegenden Netzadapter und dem beiliegenden USB-Kabel nachladen. IQOS (Philip Morris) verweigert die Garantie, falls man den Pocket-Charger anderweitig (Akkupack, oder anderes USB-Ladekabel) aufgeladen haben sollte. 

    Danach führt man den Holder in den Pocket-Charger ein und betätigt die ON-Taste. Der Holder wird geladen und mittels einer LED-Anzeige kann man den Ladevorgang beobachten.  

    Der Pocket-Charger erfüllt neben dem Laden des Holders aber noch eine weitere Funktion. Nach entsprechend vielen Ladezyklen ist ein Reinigungszyklus angesagt, der ebenfalls mit einer entsprechenden LED angezeigt wird. Die Reinigung muss jedoch mit einer weiteren Taste manuell in Gang gesetzt werden und entspricht in Form und Funktion einer gezielten Überhitzung, wie wir sie von modernen Backöfen her kennen. Eigentlich wird diese Reinigung lediglich in der Erhitzerkammer des Holders durchgeführt. Da dieser aber alleine nicht genug Strom speichern kann, um eine solche Überhitzung ausführen zu können, ist der zusätzliche Strom des Pocket-Chargers erforderlich.  

    Hat man die elektronischen Bauteile der IQOS soweit vorbereitet, kann man einen der Heets in den Holder einführen. Diese gibt es aktuell in zwei Ausführungen. Amber Label ist vergleichbar mit dem Geschmack einer normalen Tabakzigarette und Yellow Label hat einen etwas milderen und süßlicheren Geschmack. Die Geschmacksrichtung Menthol ist aktuell nur noch in der Schweiz erhältlich. Hierzulande soll Menthol als Zusatzstoff dank TPD2 und seinen Folgerichtlinien nicht mehr zum Einsatz kommen.  

    Auf den Heets ist für den korrekten Sitz eine silberne Linie aufgezeichnet, die einem vorgibt, wie tief ein Heets in den Holder einzuführen ist. Beide Sorten haben die gleiche Nikotinstärke welche etwa einer Tabakzigarette der Marke „Marlboro Gold“ entsprechen soll.

    Danach betätigt man den Einschalter am Holder, und eine grüne LED blinkt. Leuchtet die LED gleichmäßig grün, hat der Holder seine Betriebstemperatur erreicht. Nun kann man den Tabakrauch/Tabakdampf wie eine herkömmliche Tabakzigarette mittels einatmen konsumieren.  

    Nach ca. 14 Zügen innerhalb von 6 Minuten ändert sich die Farbe der LED in orange/rot und man kann noch 2 Züge innerhalb der nächsten 30 Sekunden vornehmen. Danach schaltet sich der Holder ab und der Heets ist verbraucht. Verbrauchte Heets können nicht noch einmal verwendet werden, egal wie die optische Erscheinung auch sein mag. 

    Mittels des oberen Teils des Holders kann man den Heets aus dem Holder herausschieben. Dieser obere Teil kann auch vollständig entfernt werden, um die Erhitzerkammer reinigen zu können. Für die Reinigung ist es jedoch notwendig, dass die Kammer vollständig abgekühlt ist. Ansonsten könnten die Bürsten schmelzen und die Erhitzerkammer beschädigen. 

    Nach der Reinigung bewahrt man den Holder wieder im Charger auf, bis man den nächsten Heets konsumieren möchte. 

    Die gründliche Reinigung mit den Alkoholstäbchen wird vom Hersteller einmal pro Tag empfohlen. Spätestens jetzt habe ich irgendwie das Gefühl, eher einen modernen Kaffeevollautomaten, als eine Zigarette in der Hand zu haben. Bei heutigen Kaffeevollautomaten verbringt man auch mehr Zeit mit der Reinigung und Pflege des Geräts als mit dem, was aus dem Gerät eigentlich herauskommt, also mit Kaffeetrinken.

    Irrsinn, ja Irrsinn, denn der Konsum einer IQOS dauert computergesteuerte 6 Minuten. Wenn ich den gründlichsten Reinigungszyklus erwische, bin ich (2 Minuten für das Abkühlen und Neuladen des Holders, 2 Minuten mit dem Reinigen mit den Bürsten, 2 Minuten mit dem Reinigen mit den Alkoholstäbchen, 2 Minuten mit dem Reinigen mit dem Haken, 2 Minuten mit dem Reinigen des Cleaners und nochmal 2 Minuten für den Reinigungsprozess mittels Überhitzen) rund 12 Minuten nur mit dem Reinigungsprozess beschäftigt. Wobei ich die Zeit für die Entsorgung des verbrauchten Heets und die Zeit zwischen den einzelnen Reinigungsschritten noch gar nicht berücksichtigt habe.  

    Also jetzt mal ehrlich Philip Morris, als Raucher bin ich einen schnellen Prozess gewöhnt. Packung auf, Kippe raus, Kippe an, paar Mal ziehen und ab in den Aschenbecher mit der Kippe. 

    Fazit

    Vorbei die gute alte analoge Zeit. Päckchen aufreißen, Zigarette anzünden und den Tabak schnell und einfach konsumieren, das war einmal. Doch am Ende, hat man auch mit dem schönen neuen Digitalgerät nur wieder eine stinkende und gesondert zu entsorgende Kippe übrig. 

    Klasse, kann ich da nur sagen, denn auch sonst kann ich keinen wirklichen Vorteil einer IQOS gegenüber einer klassischen Tabakzigarette erkennen. Ob das Erhitzen eines Tabakkonzentrats im Vergleich zum Verbrennen von Bestandteilen einer Tabakpflanze wirklich einen gesundheitlichen Vorteil bringt, ist fraglich. 

    So bleibt der IQOS zum jetzigen Zeitpunkt lediglich der Lifestyle-Faktor, denn eine IQOS sieht natürlich wesentlich besser aus, als eine schnöde Tabakzigarette. Und ja, zwischen den Zügen qualmt sie nicht, was alle Nichtraucher in der direkten Umgebung sicher schätzen werden.  

    IQOS, die erste und einzige echte e-Zigarette, die mit unserem klassischen Dampfen nichts, aber auch rein gar nichts zu tun hat! Doch darf man sie nicht aus den Augen eines Dampfers und schon gar nicht mit modernen Dampfgeräten vergleichend betrachten. Man muss ein Stück zurücktreten und sie ganz objektiv vom Standpunkt eines Rauchers sehen. Dann und vielleicht auch nur dann, kann man auch ein wenig Freude und Lifestyle an der IQOS empfinden. 

    Wenn ein Raucher das hier gelesen hat, dann hoffe ich ein kleines bisschen zur Entscheidungsfindung beigetragen zu haben. Klar, es gibt auch die mit dem Putzfimmel, die werden die IQOS lieben, allen anderen empfehle ich …, na Ihr wisst schon. 

     

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