• Lädelisterben in der Schweiz

    Lädelisterben

    Dank Onlineboom, Auslandseinkäufen und Preiszerfall sind mittlerweile rund ein Drittel der Schweizer Geschäfte in ihrer Existenz bedroht!
    In unserer Branche, dem Handel mit E-Zigaretten, kommen dann auch gleich noch Regulationen vom BAG dazu, die es den einzelnen kleineren Händlern nicht wirklich einfacher machen.

    Alles schon gehabt

    Früher gab es sie, die sog. Tante Emma – Läden. So bezeichnete man umgangssprachlich kleine Einzelhandelsgeschäfte, die Lebensmittel und weitere Artikel des täglichen Bedarfs angeboten haben. Bezeichnend war, dass diese Läden oft so klein waren, dass nur eine einzige Person, meist die Ladenbesitzerin persönlich, eben die Tante Emma, dort arbeiteten.

    In diesen Läden war Herzlichkeit oberstes Gebot und Verkäuferin wie Kunden kannten sich gut und halfen sich auch wenn mal Not am Mann war. Interessante Gespräche waren an der Tagesordnung und der Kunde kaufte, was vorrätig war. Die persönliche Kundenbindung wurde mit zahlreichen Elementen wie z.B. Anschreiben, Rabattmarkenhefte, Warenproben, Hauslieferungen oder Sonderbestellungen auf Kundenwunsch untermauert und Kinder wurden stets mit einer kleinen Aufmerksamkeit bedacht.

    Der persönliche Service wurde gross geschrieben und mehrheitlich genossen die Kunden diese Art des Einkaufens.

    Lädelisterben

    In den frühen 70-er Jahren fiel dann das gesetzliche Verbot der Preisbindung und öffnete damit den Markt für zahlreiche Discounter. Diese arbeiteten wesentlich anonymer und konzentriert auf Preisstrukturen, die dann natürlich auch dem Kunden zu Gute kamen. Viele Kunden schätzten die neue Art des Einkaufens, die mit einem viel grösseren Sortiment auffahren konnte. Der dabei abnehmende persönliche Touch wurde zugunsten des pralleren Portemonnaies in Kauf genommen, umso mehr, als dass man ja keine Beratung braucht, wenn man wusste, was man wollte.

    Im Laufe der Jahre musste ein Laden nach dem anderen schliessen, da er einfach nicht mehr rentabel genug war und den neuen Kundenbedürfnissen kaum standhielt. Das „Lädelisterben“ hatte eingesetzt und führte dazu, dass der Kunde dann irgendwann auch gar keine andere Wahl mehr hatte, als zum Grossanbieter zu gehen.

    Der Detailhändler, eine aussterbende Spezies

    Betrachten wir heute den Dampfermarkt, so finden wir da zwar in der Schweiz nicht mehr direkt „Tante Emma“-Läden, sondern eher spezialisierte Detailfachgeschäfte. Dennoch gibt es da heute durchaus Parallelen zu den Lädeli von früher: oftmals werden diese auch nur von 2-3 Personen geführt. Mehr als eine Person sind heute nötig, da der Konsument mittlerweile ganz andere Ladenöffnungszeiten erwartet, als sie früher üblich waren. Kaum ein Dampferladen wird indes von Vollzeitangestellten betreut – Teilzeitarbeit ist hier viel mehr das Thema. Wirklich verbindend ist aber das Element, was auch den Charme des Tante-Emma-Ladens dazumal ausgemacht hat: die persönliche Ansprache, der extreme Enthusiasmus im Verkauf und die Kundenbindung.

    Noch gibt es sie, die Dampferläden, die Schuhmacher, die türkischen Gemüsehändler, die Juweliere und wie sie sonst noch alle unterwegs sind. Noch wehrt sich der kleine Detailhandel gegen die grossen Ketten, die dem Kunden Einheitsbrei in grossen Mengen anbietet. Und noch gibt es sie, die Menschen, die es schätzen, mit dem Kunden zu kommunizieren und ihm bei der Lösung seiner Sorgen zu helfen. Die Frage ist bloss, wie lange noch?

    Nichts gelernt

    Man sollte meinen, dass wir wissen, wie wichtig zwischenmenschliche Beziehungen sind und dass diese gerade im Handel mit Waren, wie eben z.B. auch mit E-Zigaretten, eine grosse Rolle zur Erreichung der maximalen Zufriedenheit spielen können. Dass es für uns angenehm ist, Fachgespräche zu führen, sich zu informieren, zu degustieren und ohne Druck einzukaufen.

    Doch weit gefehlt: der tägliche Einkauf soll möglichst effizient und ohne Störung verlaufen, am liebsten gleich noch mit Selbst-Checkout, damit man wirklich mit niemandem sprechen muss. Wichtig ist das grosse, wenn auch teilweise völlig terminfremde Angebot zum günstigsten Preis, Qualität hin oder her. Preise werden verglichen, online und auch gleich mit dem Ausland und während man hier in der Schweiz zwar gerne so viel wie möglich verdienen will, gibt man das Geld dann viel lieber im grenznahen Ausland aus, wo man mehr dafür bekommt.

    Und ganz offensichtlich haben wir nichts gelernt: unsere moderne Art des shoppens führt dazu, dass kleine Fachgeschäfte immer mehr unter Preisdruck geraten. Da rechnet es sich dann bald nicht mehr, Zusatzleistungen wie ausführliche Beratung, Degustationsmöglichkeiten, etc. anzubieten, denn die Verdienstspanne bei den Produkten wird immer kleine rund kann sowieso nicht mehr mithalten bei grossen Anbietern, die viel grössere Mengen einkaufen können.

    Und genau das passiert im Bereich des Dampfens nun leider auch in der Schweiz!

    Bereits mussten erste Läden ihre Türen schliessen. Während die Kunden sich zwar hier im Fachhandel beraten liessen, kauften sie dann in Folge aber lieber Online bei einem meist deutschen, günstigeren Anbieter, der oftmals nicht einmal eigene Läden betreibt, sondern nur einen reinen (günstigeren) Onlinehandel. Der deutsche Händler hat viel tiefere Kosten (kein Ladengeschäft mit Miete und Personal, keine Dienste wie z.B. Degustation, Beratung) und kauft dann geografisch bedingt auch noch viel grössere Mengen ein – ein knock-out für jeden Schweizer Händler.

    Durchhalten

    An dieser Stelle möchten wir deshalb den noch existenten Verkaufsläden für E-Zigaretten Mut und Ausdauer zusprechen und denen, die dichtmachen mussten, unser Mitgefühl. Wir wissen, wie viel Herzblut in den Aufbau eines solchen Geschäfts gesteckt wird und bedauern es zutiefst, wenn dieser Enthusiasmus sich dann doch nicht gelohnt hat.

    Und den Dampfern, die diesen Text lesen, danken wir dafür, dass Sie den Wert persönlicher Beratung und Gespräche zu schätzen wissen und ihn über den möglichst billigen Einkauf setzen. Dank ihrem Verständnis der Marktwirtschaft können einige Händler weiterhin tolle Beratung bieten und Produkte zum Test anbieten oder auch mal Hand anlegen, wenn jemand ein Problem mit seiner Dampfe hat. Müssten sich diese Händler immer mehr dem Preisdruck unterordnen, so wären solche Zusatzleistungen über kurz oder lang nicht mehr möglich und statt Tante Emma müssten dann ganz viele andere Tanten und Onkels klein beigeben. Die Parole lautet für Dampfer wie Händler also: durchhalten, auf Qualität und Beratung setzen und gemeinsam das Dampfen in der Schweiz weiterentwickeln, selbst trotz gesetzlicher Widrigkeiten.

    Seid ihr dabei?

    Dieser Text widerspiegelt die persönliche Meinung von Anna Schreiber.

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